EU-Initiative des VHGW für ein Impfen gegen die Vogelgrippe

Zu den Schriftwechseln

In der BR Deutschland geht in Sachen Vogelgrippe und Impfen zum Schutz und Erhalt unserer seltenen Geflügelrassen so gut wie nichts voran. Das hängt u. a. damit zusammen, dass in unserem Landwirtschaftsministerium Paragraphen nur verwaltet, Sachprobleme aber nicht mit Leben erfüllt werden. In Deutschland erfolgt nur eine Umsetzung von EU-Vorgaben. Anders ist es z. B. in den Niederlanden. Dort wirkt der Landwirtschaftsminister massiv auf die EU ein, damit ein Impfen bei Rassegeflügel möglich wird. Von Deutschland kam bis jetzt (12. Januar 2006) diesbezüglich keine Initiative aus dem Bundesministerium. Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen hat sich dagegen stark gemacht, dass zumindest Rote-Listen-Rassen wie Zootiere betrachtet werden. Zootiere dürfen geimpft werden. Es wäre schön gewesen, gleiches Engagement aus dem Bundesministerium verspüren zu dürfen.

Der VHGW sieht kaum eine Chance, beim deutschen Landwirtschaftsministerium etwas zu erreichen. Deshalb hat der VHGW eine Initiative bei den deutschen EU-Abgeordneten im EU-Landwirtschaftsausschuss gestartet. Angeschrieben wurden nachfolgend genannte Abgeordneten:

Josef Daul (Vorsitzender des Landwirtschaftausschusses)
Friedrich Wilhelm zu Baringdorf (GRÜNE)
Albert Deß (CDU)
Elisabeth Jeggle (CDU)
Heinz Kindermann (SPD)
Willem Schuth (FDP)
Milan Horacek (GRÜNE)
Krista Klass (CDU)
Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD)
Hans-Peter Mayer (CDU)
Markus Pieper (CDU)

Der Inhalt des Schreibens an alle Abgeordneten lautete wie folgt:


"Sehr geehrter Herr MAYER,

VHGW ist die Abkürzung für "Verband der Hühner-, Groß- und Wassergeflügelzüchtervereine". Ein Schwerpunkt des VHGW ist die Erhaltungszuchtarbeit für alte und gefährdete Geflügelrassen. Darum kümmern sich über 8000 aktive Züchter.

Nachdem die Vogelgrippe, die seit langem in Südostasien wütet, auch in Europa aufgetreten ist, wird die Gefahr eines Vogelgrippeausbruchs in Deutschland immer größer, vor allem wenn der Vogelzug aus Afrika einsetzt. Hier ist wie zur Zugzeit ins Winterquartier mit einer Einstallung von Geflügel in Deutschland zu rechnen. Diese Einstallung würde in einen Zeitrahmen fallen, in welchem die Aufzucht des Geflügels stattfindet. Jungegeflügel, das in einer Stallung anstatt im Auslauf aufwächst, hätte eine schlechte Entwicklungschance .Eine solche Haltungsmethode wäre nicht nur nicht artgerecht, sondern würde auch dem Tierschutz zuwider laufen. Eine sinnvolle Alternative dazu wäre die Impfung gegen die Vogelgrippe.

Die übliche Bekämpfung im Ausbruchsfall der Vogelgrippe ist bislang die Keulung gewesen. Dadurch würden, vom Tierschutz einmal ganz abgesehen, im Geflügelbereich wertvolle genetische Ressourcen unwiederbringlich vernichtet werden. Wir weisen darauf hin, dass sich auch Deutschland völkerrechtlich verpflichtet hat, seine alten Haustierrassen zu erhalten. Nicht staatliche Institutionen leisten diese Erhaltungsarbeit, sondern engagierte Züchterinnen und Züchter. Einschränkungen wie im Herbst 2005 belasten und erschweren die züchterische Arbeit – sie entmutigen die Züchter. Einstallungen können die Aufgabe der Zucht und damit den Rückgang der Arten- und Rassenvielfalt bewirken. Eine Keulung von Rassen im Falle eines Vogelgrippeausbruchs könnte Rassen auslöschen.

Ein entsprechender Schutz von Rassegeflügel findet nur durch eine Impfung statt. Im Ernstfall wird bei nicht vorhandener, zurzeit verbotener Impfung gesundes Geflügel gekeult, egal ob eingestallt oder nicht.

Es ist momentan problemlos möglich, sofern es erlaubt wird, Rassegeflügel zu impfen. Obwohl es sich bei dem momentan verfügbaren Impfstoff um keinen so genannten Markerimpfstoff handelt, wäre bei einer Rassegeflügelimpfung keine Gefahr durch eine eventuelle Virusausscheidung für Vögel gegeben, wenn die Tiere 14 Tage lang den Hof nicht verlassen. Entsprechende Untersuchungen im Institut für Tierseuchenkontrolle in Lelystad./Niederlande weisen dieses aus. Dementsprechend könnte auch die gesetzlich festgelegte Quarantänebestimmung bei geimpften Tieren wegfallen, da Rassegeflügel nicht wie Wirtschaftsgeflügel Handelsware ist! Im Übrigen stellte das Institut für Tierseuchenkontrolle fest: „Eine Vogelgrippeimpfung schützt Hühner nicht nur vor der Krankheit, sondern kann auch die Ausbreitung der Tierseuche effektiv eindämmen“. Diese Tatsache ist sicher auch in Ihrem Sinne.

Eine Impfung im Rassegeflügelbereich könnte im Seuchenfall die wertvollen genetischen Ressourcen retten und vorbeugend im Nichtseuchenfall im Frühjahr 2006 eine artgerechte Zucht und Aufzucht von Geflügelrassen durch Freilauf garantieren.

Für eine Impfung des Rassegeflügels benötigt unser Verband mit seinen Züchterinnen und Züchtern Ihre Unterstützung. Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihre Pläne zum Schutze der Geflügelrassen aussehen und wie sie den Erhalt der Geflügelrassen sicherstellen wollen, damit auch im Zuchtjahr 2006 eine entsprechende Zuchtleistung in artgerechter Haltung möglich ist und ein Töten (von hauptsächlich völlig gesundem Geflügel) im Seuchenfall verhindert werden kann.

Mit besten Grüßen
Michael v. Lüttwitz
1. Vorsitzender im VHGW"

 

Folgende Schrifwechsel entstanden durch diesen Brief:

Herr Mayer (Letzte Änderung 11.01.2006)
Herr Deß (Letzte Änderung 11.01.2006)
Herr Graefe zu Baringdorf (Letzte Änderung 19.01.2006)
Herr Schuth (Letzte Änderung 02.02.2006)

 

Schriftwechsel mit Herrn Mayer:

(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
vielen Dank für Ihre Email vom 27. Dezember 2005 und die damit verbundene Anfrage über die Legalisierung der Impfungen für Rassegeflügel gegen den Vogelgrippevirus.
Da Sie Ihre Anfrage an alle deutschen Mitglieder des Agrarauschusses gesandt haben, wird zuständigkeitshalber Herr Alber Deß die Beantwortung Ihrer Frage übernehmen. Wie ich aus seinem Büro erfahren habe, hat der Referent von Herrn Deß Ihnen bereits geantwortet. Ich möchte Sie daher bitten den Kontakt mit diesem Büro zu halten.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Lindemann

Rechtsanwältin / Parlamentarische Referentin
Büro Prof. Dr. Hans-Peter Mayer MdEP
Europäisches Parlament


(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr Mayer, sehr geehrte Frau Lindemann,

besten Dank für Ihre Mitteilung. Sie haben richtig erfahren, Herr Deß hat uns durch Herrn Köhler mitteilen lassen, dass die Anfrage beantwortet wird. Wir werden den Kontakt dorthin halten.

Beste Grüße

Michael v. Lüttwitz

 

Schriftwechsel mit Herrn Deß:

(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,

vielen Dank für Ihre Mail zum Thema Vogelgrippe. Ihre Anfrage ist in Bearbeitung. Sobald wir Neuigkeiten haben, lassen wir Ihnen eine Nachricht zukommen.

Freundlichen Gruß aus Belgien

Udo Köhler

Mitarbeiter von Albert Deß MdEP
Büro Brüssel


(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr Köhler,

herzlichen Dank für Ihren Zwischenbescheid. Das an Herrn Deß gerichtete Schreiben ging allen deutschen EU-Abgeordneten im Landwirtschaftsausschuss zu, ebenso dem Vorsitzenden, Herrn Daul. Von Herrn Mayer erfuhr ich, dass Sie gebündelt für alle angeschriebenen Abgeordneten antworten, was sicherlich die Sachlage vereinfacht. Auch dafür möchte ich mich bedanken.

Nichtsdestotrotz wäre es für die Züchter hilfreich zu wissen, wie die Grundeinstellung zum Impfen ausschaut. Das Problem der Rassegeflügelzüchter ist, dass Sie zwar zur Landwirtschaft gezählt werden, aber keine Landwirte sind. Sie verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen, sondern kulturelle, nämlich das Erhalten der wertvollen Genressourcen beim Rassegeflügel. Rassehühner, -enten, -gänse, -truthühner und Perlhühner wären demnach eher wie Zootiere einzustufen, für die eine Impferlaubnis bereits vorliegt. In Zoos werden nur ausgesprochen wenige Rassen des Geflügelsektors gehalten. Bei einem Keulen bei Rassegeflügelzüchtern besteht die Gefahr der Ausrottung von Geflügelrassen.

Es wäre deshalb erleichternd für uns Rassegeflügelzüchter, wenn wir erfahren könnten, ob es Bestrebungen gibt, einen Zootierstatus dem Rassegeflügel zuzuordnen.

In diesem Sinne freue ich mich über eine kurze Mitteilung unabhängig von Neuigkeiten.

Beste Grüße

Michael v. Lüttwitz

 

Schriftwechsel mit Herrn Graefe zu Baringdorf:

Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,

vielen Dank für Ihr Anschreiben, Herr Graefe zu Baringdorf setzt sich für eine Impfung gerade bei Rassegeflügel ein, da auch angesichts der dramatischen Lage in der Türkei ein Einsperren aller Tiere nicht die einzige Möglichkeit der Verhinderung einer Weiterverbreitung ist. Unser Berater für Ernährungssicherheit, Herr Emmes von der Fraktion der Grünen im Europaparlament, hat Ihnen sicher auch bereits geantwortet. Anbei sende ich Ihnen noch eine Presseerklärung und einen Link zum Beitrag von Herrn Graefe zu Baringdorf.
Mit freundlichen Grüssen

Antje Kölling

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Büro Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf
Europäisches Parlament

Greens/EFA


Presseerklärung von Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf
Vizepräsident des Agrarausschusses im EP
zur Vogelgrippe
Straßburg, den 26. Oktober 2005
Vogelgrippe:
Handeln, wo es am nötigsten ist
"Um uns der Gefahr einer Grippeepidemie zu stellen, müssen wir insbesondere die asiatischen
Länder unterstützen, weil dort der gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 seit Anfang 2004
verbreitet und immer noch nicht unter Kontrolle ist," erklärte Friedrich Wilhelm Graefe zu
Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche
Entwicklung, nach der Annahme der Resolution zur Vogelgrippe im Europäischen Parlament.
"Während der letzen zwei Jahre wurde den von der Vogelgrippe betroffenen Ländern nur wenig
internationale Beachtung geschenkt und wenig Hilfe geleistet. Eine Koordinierung der
internationalen Hilfe muss jetzt Priorität sein. Denn das Risiko einer Grippeepidemie, die durch
eine Mutation oder Rekombination des H5N1 Virus ausgelöst werden könnte, ist in den
asiatischen Ländern sehr viel höher als in den seit kurzem von der Vogelgrippe betroffenen
europäischen Ländern."
"Wir begrüßen den gestrigen Beschluss des Rates, den Import von Zier- und Wildvögeln zu
stoppen, denn es ist eindeutig, dass sowohl der illegale als auch der legale Handel mit Vögeln
noch gefährlicher sein kann als die Wanderungen der Zugvögel, " bestätigt Graefe zu
Baringdorf, Abgeordneter im Europäischen Parlament für Bündnis 90/Die Grünen. "Um die
Ausbreitung der Grippe unter Kontrolle zu bekommen, müssen die Mitgliedstaaten die
Kontrollen an Flughäfen, Häfen und anderen kritischen Verkehrspunkten verstärken. Die
Umsetzung des Importverbots muss nun sehr ernst genommen werden, um eine Verschleppung
des Virus durch Handel zu verhindern."
"Neben den jetzt dringlichen Maßnahmen des Krisenmanagements muss die EU aus der
Vergangenheit lernen. Wie bei früheren Ausbrüchen der Vogelgrippe oder anderer Tierseuchen
wie beispielsweise der Maul- und Klauenseuche, zeigt die gegenwärtige Krise deutlich die
Schwächen der intensiven Tierhaltung auf," erklärt Graefe zu Baringdorf. "Obgleich diese
Krankheit keine direkte Folge der intensiven Hühnerhaltung ist, muss festgestellt werden, dass
die einseitige Zucht von Hühnerrassen auf Hochleistung hin zum Verlust genetischer Vielfalt
und damit auch zum Verlust von Resistenzen gegen Krankheitserreger geführt hat. Bei diesen
empfindlichen Rassen, verstärkt durch die in der intensiven industriellen Tierhaltung sehr
großen Tiergruppen und zunehmende Tiertransporten, übertragen und verbreiten sich
Krankheiten viel schneller. Die EU sollte jetzt Anreize für nachhaltigere Tierhaltungsmethoden
geben und die Nutzung genetischer Ressourcen und alter Rassen fördern, um die Anfälligkeit
der landwirtschaftlichen Systeme zu mindern und damit dem Gesundheits- und
Verbraucherschutz Vorschub zu leisten."
Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Agrarbüro: Antje Kölling
Tel. +32-2-284-5154 , Fax +32-2-284-9154, Email: fgraefe@europarl.eu.int


(12.01.2006)
Sehr geehrte Frau Kölling,

Ihre Mitteilung macht den Rassegeflügelzüchtern sehr viel Mut und Hoffnung. Es wäre für zahlreiche Züchter ein Schock, wenn Ihre Erhaltungszuchten durch Keulungskommandos ausgelöscht werden würden im Ausbruchsfall der Vogelgrippe in Deutschland. Gerade die Rassegeflügelzüchter sind diejenigen, die nicht nur altes Kulturgut und die Biodiversität erhalten, sondern auch artgerechte Geflügelhaltung betreiben. Ihre kleinen Herden in einer kombinierten Stall-/Auslaufhaltung entlastet die Massentierhaltung. Es freut mich besonders, dass Herr Graefe zu Baringdorf dem Einsperren der Tiere kritisch gegenüber steht. Für die Züchter ist es eine Katastrophe, die Auslauf gewöhnten Tiere wieder einsperren zu müssen. Mit geimpften Tieren wäre das nicht nötig. Sie könnten tierschutzgerecht, trotz Vogelgrippegefahr, in Licht und Luft ihren Auslauf genießen.
Das Problem von Rassegeflügelzüchtern ist, dass sie der Landwirtschaft zugeordnet werden, die Züchter aber keine Landwirte sind und auch nicht nach landwirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Tiere halten. Bei allem Nutzeffekt, den die Rassegeflügelzucht hat, sind die Tiere und die Haltung mehr den Zootieren und dem Zoomanagement zuzuordnen. In einer gezielten Zucht werden einmalige Genreserven durch die Züchter mit enormem emotionalen Bezug zum Geflügel erhalten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich auf dem Laufenden halten über die engagierte Arbeit und die Ergebnisse von Herrn Graefe von Baringdorf. Ich werde die Informationen dann unseren Mitgliedern zugänglich machen.
Von Herrn Emmes habe ich entgegen Ihrer Vermutung keine Informationen erhalten. Allerdings habe ich ihn auch nicht angeschrieben. Falls er allerdings wichtige Informationen zu dieser Thematik hat, würde ich Sie bitten, Herrn Emmes zu informieren, dass er uns diese Fakten zuleitet.

Mit besten Grüßen

Michael v. Lüttwitz


(18.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,

Ihre Anfrage wurde von den grünen Abgeordneten Milan Horacek und FW Graefe zu Baringdorf an mich weitergeleitet.

In der Anlage sende ich Ihnen die vor kurzem verabschiedete Richtlinie zur Vogelgrippe. Darin wird - entsprechend den Forderungen unserer Fraktion und entgegen der bisherigen EU-Politik - die Impfung unter bestimmten Bedingungen ausdrücklich erlaubt (siehe Artikel 52 bis 59). Unsere Fraktion hat im Europäischen Parlament darüber hinaus beantragt, dass für alte Haustierrassen und Zootiere eine besondere, differenzierte, Schutzimpfung vorgesehen wird (siehe AM Parish.doc), um die eventuell vorhandene Hemmschwelle der Mitgliedstaaten für eine differenzierte Behandlung von Erhaltungsrassen zu senken. Dieser Antrag ist vom Europäischen Parlament am 1. Dezember 2005 mit grosser Mehrheit verabschiedet, vom Ministerrat aber nicht in den endgültigen Rechtstext aufgenommen worden.

Nun liegt es an den Mitgliedstaaten, die vorhandenen Spielräume zu nutzen und eine intelligente Kombination von Massnahmen zu ergreifen, um für ein eventuelles Auftreten des Vogelgrippevirus entsprechend gerüstet zu sein.

Zu ihrer Information möchte ich Sie auch auf die langjähige Arbeit unserer Fraktion für die Förderung der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft, der Erhaltungsrassen und Erhaltungssorten hinweisen, die beispielsweise in folgender Broschüre dokumentiert ist
http://www.greens-efa.org/pdf/documents/greensefa_documents_47_en.pdf bzw
http://www.graefezubaringdorf.de/pdf_publications/deutsch_21.pdf

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung
Mit freundlichen Grüssen

Oliver Emmes
Green-EFA Group in the EP


(19.01.2006)
Sehr geehrter Herr Emmes,

herzlich bedanken möchte ich mich bei Ihnen und Ihren beiden Kollegen, Herrn Graefe zu Baringsdorf und Herrn Horacek, im Namen aller im VHGW organisierten Züchter für den Einsatz zur Sicherung seltener Geflügelrassen. Ihr aller Einsatz hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in den einzelnen Ländern eine Alternative zum Töten (Keulen) der Tiere zur Verfügung steht. Jetzt bedarf es der Umsetzung dieser Möglichkeiten in die nationale Praxis. Ihre Pdf-Datei "Live and let live" deckt sich mit den Ansichten der Züchter. leider zählt in unserer Welt nur eines: Kommerz. Kulturelle Errungenschaften zu schützen und für die Zukunft zu sichern, sind weit hinter dem Kommerz eingeordnet, weil sie kurzfristig nichts bringen. Langfristig sind sie überlebenswichtig. Weil die Politik in Wahlperioden denkt, bleibt der nichtkommerzielle Bereich meist weit hinter dem kommerztiellen zurück, zumal er auch noch Geld kostet. Es ist daher sehr erfreulich, dass Sie sich derart intensiv für den Erhalt kultureller Güter, u. a. in der Landwirtschaft, einsetzen. Im Bereich der Rassegeflügelzüchter decken sich Ihre Ansichten mit unseren.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob Sie zumindest langfristig die Chance sehen, dass bei einer Etablierung des Vogelgrippevirus in Europa, was wir alle nicht hoffen wollen, aber in unsere Überlegungen einbeziehen müssen, für sämtliches Geflügel im Rassegeflügelbereich ein Impfung vorgesehen wird. Ansonsten kann es leicht passieren, dass aus heute noch häufigen Rassen morgen seltene und übermorgen ausgestorbene Rassen werden. Um einem Missverständnis vorzubeugen: Diese Maßnahme ist ja im Grunde schon in der Verordnung vom 20. Dezember 2005 vorgesehen, sowohl als Notimpfung als auch als präventive Impfung (Artikel 57). Allerdings ist diese Tatsache in der Praxis an sehr viele Hürden gebunden. Meine Frageintention geht dahin, ob eine präventive Impfung aller Rassen langfristig problemlos möglich sein wird. Ich weiß, dass Sie diese Frage wahrscheinlich nicht beantworten können, aber Ihre Meinung wäre sehr wertvoll, da Sie mit Ihrem Hintergrundwissen diese Situation realistisch ein- und abschätzen können.
Erlauben Sie mir noch eine weitere Frage: Ist in der EU bekannt, ob an der gezielten Entwicklung eines Impfstoffes für eine "sterile Immunität" gearbeitet wird?
Zum Schluss eine persönliche Anmerkung: In der Broschüre "Live and let live" wird auch die Genmanipulation bzw. Gentechnik angesprochen. Dabei fiel in meinen Augen die Kritik zu dürftig aus, weil von der Genmanipulation auch massive Gesundheitsschäden für Mensch und Tier ausgehen können. Wenn Sie mir Ihre Postadresse zusenden, lasse ich Ihnen gerne einige Artikel zu dieser Thematik zukommen.

Mit besten Grüßen

Michael v. Lüttwitz



Schriftwechsel mit Herrn Schuth:

(18.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema 'Vogelgrippeimpfung in der EU'.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Beantwortung Ihres Anliegens einige Zeit in Anspruch annimmt.

Ein Antwortschreiben an Sie ist in Vorbereitung und wird Ihnen nächste Woche zugehen.

Mit den besten Grüßen, auch von Herrn Schuth!

i.A. Patrick Schlupp
Parlamentarischer Assistent

Büro von Willem Schuth, MdEP
Europäisches Parlament


(19.01.2006)
Sehr geehrter Herr Schlupp, sehr geehrter Herr Schuth,

vielen Dank für Ihre Zwischenmitteilung mit der Ankündigung einer Beantwortung.
Leider werden Rassegeflügelzüchter mit ihrer wichtigen Erhaltungszuchtarbeit, die durch das internationale Übereinkommen zur Erhaltung der Biodiversität gewürdigt wird, nicht unter dem kommerziellen Aspekt gesehen, was kurzfristig richtig, langfristig aber falsch ist. Bei allen Schutzmaßnahmen geht man immer von der profitablen Geflügelwirtschaft aus, die ganz andere Ziele hat wie die Rassegeflügelzucht. Dort wird Profit gemacht, die Erhaltung der biologischen Ressourcen der Rassegeflügelzüchter bringen dagegen in einer Bilanz nichts, wenn man den Kommerz zugrunde legt. Es wäre schön, wenn Sie den Auftrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Geflügelbereich in Ihr Handeln einfließen lassen könnten. Nicht zuletzt stellt die enorm weit verbreitete organisierte Erhaltungszuchtarbeit dennoch einen wirtschaftlichen Faktor dar, da die tiergerechte bzw. artgerechte Kleingruppenhaltung in vielerlei Hinsicht Kosten verschlingt (Stallbau, Futter, Geräte etc.). Dadurch wird in der entsprechenden Wirtschaftsbranche ein hoher Betrag umgesetzt, der sich dann auch rechnen lässt. Von daher sind Rassegeflügelzüchter durchaus ein Wirtschaftsfaktor, den man im Gesamtkonzept der Überlegungen nicht außer Acht lassen sollte. Bei Aufgabe von Rassenbetreuung durch Keulung würde dieser Bereich auch in wirtschaftlicher Sicht Einbußen erleiden.

Ich freue mich auf Ihre Ausführungen und verbleibe

mit besten Grüßen

Michael v. Lüttwitz


(02.02.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,

zunächst möchte ich Ihnen für Ihre Anfrage zum Thema 'Vogelgrippeimpfung' danken.

Die Vogelgrippe-Epidemie in Asien und die Ausbreitung des Virus nach Westen lassen für die EU und auch für Deutschland eine wachsende Seuchengefahr befürchten. Die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union haben daher am 20. Dezember 2005 eine Richtlinie mit Gemeinschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung der Aviären Influenza (Geflügelpest) verabschiedet, die ich dieser Email als Anhang beifüge.

Im Falle eines Ausbruchs mit gering pathogenen Virenstämmen (LPAI) wird fortan die Möglichkeit eröffnet, auf eine Keulung zu verzichten, dafür aber die Tiere normal zu schlachten und zu vermarkten. Die neue EU-Richtlinie sieht weiter eine Impfoption vor. Konkret wird eine Notimpfung und eine Schutzimpfung sowohl gegen hoch pathogene Virenstämme (HPAI) als auch gegen LPAI eingeräumt. Die Mitgliedstaaten können künftig in Gebieten, in denen die Geflügelpest ausgebrochen ist, mit Genehmigung der EU-Kommission nicht nur Not-, sondern auch Schutzimpfungen durchsetzen. Bis zum 1. Juli 2007 muss die beigefügte Richtlinie von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.

Eine vorbeugende Impfung ist jedoch nicht vorgesehen, da auch Impfungen die Weiterverbreitung des Vius nicht sicher verhindern können. Daher führt aus meiner Sicht an einem erneuten Verbot der Freilandhaltung von Geflügel im Frühjahr kein Weg vorbei.

Mit freundlichen Grüßen!

Willem Schuth, MdEP

Europäisches Parlament
 



Es ist erfreulich, dass sich der zuständige Ausschuss in der EU mit unserem Impfwunsch zur Erhaltung unserer einmaligen Geflügelrassen beschäftigt. Damit alle Mitglieder auf dem Laufenden sind, werden Sie an dieser Stelle über eingehende Neuigkeiten von der EU-Initiative des VHGW sofort informiert.