EU-Initiative des VHGW für ein Impfen gegen die Vogelgrippe
In der BR Deutschland geht
in Sachen Vogelgrippe und Impfen zum Schutz und Erhalt unserer seltenen
Geflügelrassen so gut wie nichts voran. Das hängt u. a. damit zusammen,
dass in unserem Landwirtschaftsministerium Paragraphen nur verwaltet,
Sachprobleme aber nicht mit Leben erfüllt werden. In Deutschland erfolgt
nur eine Umsetzung von EU-Vorgaben. Anders ist es z. B. in den
Niederlanden. Dort wirkt der Landwirtschaftsminister massiv auf die EU
ein, damit ein Impfen bei Rassegeflügel möglich wird. Von Deutschland
kam bis jetzt (12. Januar 2006) diesbezüglich keine Initiative aus dem
Bundesministerium. Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg aus dem
Bundesland Nordrhein-Westfalen hat sich dagegen stark gemacht, dass
zumindest Rote-Listen-Rassen wie Zootiere betrachtet werden. Zootiere
dürfen geimpft werden. Es wäre schön gewesen, gleiches Engagement aus
dem Bundesministerium verspüren zu dürfen.
Der VHGW sieht kaum eine Chance, beim deutschen
Landwirtschaftsministerium etwas zu erreichen. Deshalb hat der VHGW eine
Initiative bei den deutschen EU-Abgeordneten im
EU-Landwirtschaftsausschuss gestartet. Angeschrieben wurden nachfolgend
genannte Abgeordneten:
Josef Daul (Vorsitzender des Landwirtschaftausschusses)
Friedrich Wilhelm zu Baringdorf (GRÜNE)
Albert Deß (CDU)
Elisabeth Jeggle (CDU)
Heinz Kindermann (SPD)
Willem Schuth (FDP)
Milan Horacek (GRÜNE)
Krista Klass (CDU)
Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD)
Hans-Peter Mayer (CDU)
Markus Pieper (CDU)
Der Inhalt des Schreibens an alle Abgeordneten lautete wie folgt:
"Sehr geehrter Herr MAYER,
VHGW ist die Abkürzung für "Verband der Hühner-, Groß- und
Wassergeflügelzüchtervereine". Ein Schwerpunkt des VHGW ist die
Erhaltungszuchtarbeit für alte und gefährdete Geflügelrassen. Darum
kümmern sich über 8000 aktive Züchter.
Nachdem die Vogelgrippe, die seit langem in Südostasien wütet, auch in
Europa aufgetreten ist, wird die Gefahr eines Vogelgrippeausbruchs in
Deutschland immer größer, vor allem wenn der Vogelzug aus Afrika
einsetzt. Hier ist wie zur Zugzeit ins Winterquartier mit einer
Einstallung von Geflügel in Deutschland zu rechnen. Diese Einstallung
würde in einen Zeitrahmen fallen, in welchem die Aufzucht des Geflügels
stattfindet. Jungegeflügel, das in einer Stallung anstatt im Auslauf
aufwächst, hätte eine schlechte Entwicklungschance .Eine solche
Haltungsmethode wäre nicht nur nicht artgerecht, sondern würde auch dem
Tierschutz zuwider laufen. Eine sinnvolle Alternative dazu wäre die
Impfung gegen die Vogelgrippe.
Die übliche Bekämpfung im Ausbruchsfall der Vogelgrippe ist bislang die
Keulung gewesen. Dadurch würden, vom Tierschutz einmal ganz abgesehen,
im Geflügelbereich wertvolle genetische Ressourcen unwiederbringlich
vernichtet werden. Wir weisen darauf hin, dass sich auch Deutschland
völkerrechtlich verpflichtet hat, seine alten Haustierrassen zu
erhalten. Nicht staatliche Institutionen leisten diese Erhaltungsarbeit,
sondern engagierte Züchterinnen und Züchter. Einschränkungen wie im
Herbst 2005 belasten und erschweren die züchterische Arbeit – sie
entmutigen die Züchter. Einstallungen können die Aufgabe der Zucht und
damit den Rückgang der Arten- und Rassenvielfalt bewirken. Eine Keulung
von Rassen im Falle eines Vogelgrippeausbruchs könnte Rassen auslöschen.
Ein entsprechender Schutz von Rassegeflügel findet nur durch eine
Impfung statt. Im Ernstfall wird bei nicht vorhandener, zurzeit
verbotener Impfung gesundes Geflügel gekeult, egal ob eingestallt oder
nicht.
Es ist momentan problemlos möglich, sofern es erlaubt wird,
Rassegeflügel zu impfen. Obwohl es sich bei dem momentan verfügbaren
Impfstoff um keinen so genannten Markerimpfstoff handelt, wäre bei einer
Rassegeflügelimpfung keine Gefahr durch eine eventuelle
Virusausscheidung für Vögel gegeben, wenn die Tiere 14 Tage lang den Hof
nicht verlassen. Entsprechende Untersuchungen im Institut für
Tierseuchenkontrolle in Lelystad./Niederlande weisen dieses aus.
Dementsprechend könnte auch die gesetzlich festgelegte
Quarantänebestimmung bei geimpften Tieren wegfallen, da Rassegeflügel
nicht wie Wirtschaftsgeflügel Handelsware ist! Im Übrigen stellte das
Institut für Tierseuchenkontrolle fest: „Eine Vogelgrippeimpfung schützt
Hühner nicht nur vor der Krankheit, sondern kann auch die Ausbreitung
der Tierseuche effektiv eindämmen“. Diese Tatsache ist sicher auch in
Ihrem Sinne.
Eine Impfung im Rassegeflügelbereich könnte im Seuchenfall die
wertvollen genetischen Ressourcen retten und vorbeugend im
Nichtseuchenfall im Frühjahr 2006 eine artgerechte Zucht und Aufzucht
von Geflügelrassen durch Freilauf garantieren.
Für eine Impfung des Rassegeflügels benötigt unser Verband mit seinen
Züchterinnen und Züchtern Ihre Unterstützung. Bitte teilen Sie uns mit,
wie Ihre Pläne zum Schutze der Geflügelrassen aussehen und wie sie den
Erhalt der Geflügelrassen sicherstellen wollen, damit auch im Zuchtjahr
2006 eine entsprechende Zuchtleistung in artgerechter Haltung möglich
ist und ein Töten (von hauptsächlich völlig gesundem Geflügel) im
Seuchenfall verhindert werden kann.
Mit besten Grüßen
Michael v. Lüttwitz
1. Vorsitzender im VHGW"
Folgende Schrifwechsel entstanden durch diesen Brief:
Herr Mayer (Letzte Änderung
11.01.2006)
Herr Deß (Letzte Änderung 11.01.2006)
Herr Graefe zu Baringdorf (Letzte Änderung 19.01.2006)
Herr Schuth (Letzte Änderung 02.02.2006)
Schriftwechsel mit Herrn Mayer:
(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
vielen Dank für Ihre Email vom 27. Dezember 2005 und die damit verbundene
Anfrage über die Legalisierung der Impfungen für Rassegeflügel gegen den
Vogelgrippevirus.
Da Sie Ihre Anfrage an alle deutschen Mitglieder des Agrarauschusses gesandt
haben, wird zuständigkeitshalber Herr Alber Deß die Beantwortung Ihrer Frage
übernehmen. Wie ich aus seinem Büro erfahren habe, hat der Referent von Herrn
Deß Ihnen bereits geantwortet. Ich möchte Sie daher bitten den Kontakt mit
diesem Büro zu halten.
Mit freundlichen Grüßen
Julia Lindemann
Rechtsanwältin / Parlamentarische Referentin
Büro Prof. Dr. Hans-Peter Mayer MdEP
Europäisches Parlament
(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr Mayer, sehr geehrte Frau Lindemann,
besten Dank für Ihre Mitteilung. Sie haben richtig erfahren, Herr Deß hat uns
durch Herrn Köhler mitteilen lassen, dass die Anfrage beantwortet wird. Wir
werden den Kontakt dorthin halten.
Beste Grüße
Michael v. Lüttwitz
(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
vielen Dank für Ihre Mail zum Thema Vogelgrippe. Ihre Anfrage ist in
Bearbeitung. Sobald wir Neuigkeiten haben, lassen wir Ihnen eine Nachricht
zukommen.
Freundlichen Gruß aus Belgien
Udo Köhler
Mitarbeiter von Albert Deß MdEP
Büro Brüssel
(11.01.2006)
Sehr geehrter Herr Köhler,
herzlichen Dank für Ihren Zwischenbescheid. Das an Herrn Deß gerichtete
Schreiben ging allen deutschen EU-Abgeordneten im Landwirtschaftsausschuss zu,
ebenso dem Vorsitzenden, Herrn Daul. Von Herrn Mayer erfuhr ich, dass Sie
gebündelt für alle angeschriebenen Abgeordneten antworten, was sicherlich die
Sachlage vereinfacht. Auch dafür möchte ich mich bedanken.
Nichtsdestotrotz wäre es für die Züchter hilfreich zu wissen, wie die
Grundeinstellung zum Impfen ausschaut. Das Problem der Rassegeflügelzüchter ist,
dass Sie zwar zur Landwirtschaft gezählt werden, aber keine Landwirte sind. Sie
verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen, sondern kulturelle, nämlich das
Erhalten der wertvollen Genressourcen beim Rassegeflügel. Rassehühner, -enten,
-gänse, -truthühner und Perlhühner wären demnach eher wie Zootiere einzustufen,
für die eine Impferlaubnis bereits vorliegt. In Zoos werden nur ausgesprochen
wenige Rassen des Geflügelsektors gehalten. Bei einem Keulen bei
Rassegeflügelzüchtern besteht die Gefahr der Ausrottung von Geflügelrassen.
Es wäre deshalb erleichternd für uns Rassegeflügelzüchter, wenn wir erfahren
könnten, ob es Bestrebungen gibt, einen Zootierstatus dem Rassegeflügel
zuzuordnen.
In diesem Sinne freue ich mich über eine kurze Mitteilung unabhängig von
Neuigkeiten.
Beste Grüße
Michael v. Lüttwitz
Schriftwechsel mit Herrn Graefe zu Baringdorf:
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
vielen Dank für Ihr Anschreiben, Herr Graefe zu Baringdorf setzt sich für eine
Impfung gerade bei Rassegeflügel ein, da auch angesichts der dramatischen Lage
in der Türkei ein Einsperren aller Tiere nicht die einzige Möglichkeit der
Verhinderung einer Weiterverbreitung ist. Unser Berater für
Ernährungssicherheit, Herr Emmes von der Fraktion der Grünen im Europaparlament,
hat Ihnen sicher auch bereits geantwortet. Anbei sende ich Ihnen noch eine
Presseerklärung und einen Link zum Beitrag von Herrn Graefe zu Baringdorf.
Mit freundlichen Grüssen
Antje Kölling
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Büro Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf
Europäisches Parlament
Greens/EFA
Presseerklärung von Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf
Vizepräsident des Agrarausschusses im EP
zur Vogelgrippe
Straßburg, den 26. Oktober 2005
Vogelgrippe:
Handeln, wo es am nötigsten ist
"Um uns der Gefahr einer Grippeepidemie zu stellen, müssen wir insbesondere die
asiatischen
Länder unterstützen, weil dort der gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 seit Anfang
2004
verbreitet und immer noch nicht unter Kontrolle ist," erklärte Friedrich Wilhelm
Graefe zu
Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft
und ländliche
Entwicklung, nach der Annahme der Resolution zur Vogelgrippe im Europäischen
Parlament.
"Während der letzen zwei Jahre wurde den von der Vogelgrippe betroffenen Ländern
nur wenig
internationale Beachtung geschenkt und wenig Hilfe geleistet. Eine Koordinierung
der
internationalen Hilfe muss jetzt Priorität sein. Denn das Risiko einer
Grippeepidemie, die durch
eine Mutation oder Rekombination des H5N1 Virus ausgelöst werden könnte, ist in
den
asiatischen Ländern sehr viel höher als in den seit kurzem von der Vogelgrippe
betroffenen
europäischen Ländern."
"Wir begrüßen den gestrigen Beschluss des Rates, den Import von Zier- und
Wildvögeln zu
stoppen, denn es ist eindeutig, dass sowohl der illegale als auch der legale
Handel mit Vögeln
noch gefährlicher sein kann als die Wanderungen der Zugvögel, " bestätigt Graefe
zu
Baringdorf, Abgeordneter im Europäischen Parlament für Bündnis 90/Die Grünen.
"Um die
Ausbreitung der Grippe unter Kontrolle zu bekommen, müssen die Mitgliedstaaten
die
Kontrollen an Flughäfen, Häfen und anderen kritischen Verkehrspunkten
verstärken. Die
Umsetzung des Importverbots muss nun sehr ernst genommen werden, um eine
Verschleppung
des Virus durch Handel zu verhindern."
"Neben den jetzt dringlichen Maßnahmen des Krisenmanagements muss die EU aus der
Vergangenheit lernen. Wie bei früheren Ausbrüchen der Vogelgrippe oder anderer
Tierseuchen
wie beispielsweise der Maul- und Klauenseuche, zeigt die gegenwärtige Krise
deutlich die
Schwächen der intensiven Tierhaltung auf," erklärt Graefe zu Baringdorf.
"Obgleich diese
Krankheit keine direkte Folge der intensiven Hühnerhaltung ist, muss
festgestellt werden, dass
die einseitige Zucht von Hühnerrassen auf Hochleistung hin zum Verlust
genetischer Vielfalt
und damit auch zum Verlust von Resistenzen gegen Krankheitserreger geführt hat.
Bei diesen
empfindlichen Rassen, verstärkt durch die in der intensiven industriellen
Tierhaltung sehr
großen Tiergruppen und zunehmende Tiertransporten, übertragen und verbreiten
sich
Krankheiten viel schneller. Die EU sollte jetzt Anreize für nachhaltigere
Tierhaltungsmethoden
geben und die Nutzung genetischer Ressourcen und alter Rassen fördern, um die
Anfälligkeit
der landwirtschaftlichen Systeme zu mindern und damit dem Gesundheits- und
Verbraucherschutz Vorschub zu leisten."
Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Agrarbüro: Antje Kölling
Tel. +32-2-284-5154 , Fax +32-2-284-9154, Email: fgraefe@europarl.eu.int
(12.01.2006)
Sehr geehrte Frau Kölling,
Ihre Mitteilung macht den Rassegeflügelzüchtern sehr viel Mut und Hoffnung. Es
wäre für zahlreiche Züchter ein Schock, wenn Ihre Erhaltungszuchten durch
Keulungskommandos ausgelöscht werden würden im Ausbruchsfall der Vogelgrippe in
Deutschland. Gerade die Rassegeflügelzüchter sind diejenigen, die nicht nur
altes Kulturgut und die Biodiversität erhalten, sondern auch artgerechte
Geflügelhaltung betreiben. Ihre kleinen Herden in einer kombinierten
Stall-/Auslaufhaltung entlastet die Massentierhaltung. Es freut mich besonders,
dass Herr Graefe zu Baringdorf dem Einsperren der Tiere kritisch gegenüber
steht. Für die Züchter ist es eine Katastrophe, die Auslauf gewöhnten Tiere
wieder einsperren zu müssen. Mit geimpften Tieren wäre das nicht nötig. Sie
könnten tierschutzgerecht, trotz Vogelgrippegefahr, in Licht und Luft ihren
Auslauf genießen.
Das Problem von Rassegeflügelzüchtern ist, dass sie der Landwirtschaft
zugeordnet werden, die Züchter aber keine Landwirte sind und auch nicht nach
landwirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Tiere halten. Bei allem Nutzeffekt,
den die Rassegeflügelzucht hat, sind die Tiere und die Haltung mehr den
Zootieren und dem Zoomanagement zuzuordnen. In einer gezielten Zucht werden
einmalige Genreserven durch die Züchter mit enormem emotionalen Bezug zum
Geflügel erhalten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich auf dem Laufenden halten über die
engagierte Arbeit und die Ergebnisse von Herrn Graefe von Baringdorf. Ich werde
die Informationen dann unseren Mitgliedern zugänglich machen.
Von Herrn Emmes habe ich entgegen Ihrer Vermutung keine Informationen erhalten.
Allerdings habe ich ihn auch nicht angeschrieben. Falls er allerdings wichtige
Informationen zu dieser Thematik hat, würde ich Sie bitten, Herrn Emmes zu
informieren, dass er uns diese Fakten zuleitet.
Mit besten Grüßen
Michael v. Lüttwitz
(18.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
Ihre Anfrage wurde von den grünen Abgeordneten Milan Horacek und FW Graefe zu
Baringdorf an mich weitergeleitet.
In der Anlage sende ich Ihnen die vor kurzem
verabschiedete Richtlinie zur
Vogelgrippe. Darin wird - entsprechend den Forderungen unserer Fraktion und
entgegen der bisherigen EU-Politik - die Impfung unter bestimmten Bedingungen
ausdrücklich erlaubt (siehe Artikel 52 bis 59). Unsere Fraktion hat im
Europäischen Parlament darüber hinaus beantragt, dass für alte Haustierrassen
und Zootiere eine besondere, differenzierte, Schutzimpfung vorgesehen wird
(siehe AM Parish.doc), um die eventuell vorhandene Hemmschwelle der
Mitgliedstaaten für eine differenzierte Behandlung von Erhaltungsrassen zu
senken. Dieser Antrag ist vom Europäischen Parlament am 1. Dezember 2005 mit
grosser Mehrheit verabschiedet, vom Ministerrat aber nicht in den endgültigen
Rechtstext aufgenommen worden.
Nun liegt es an den Mitgliedstaaten, die vorhandenen Spielräume zu nutzen und
eine intelligente Kombination von Massnahmen zu ergreifen, um für ein
eventuelles Auftreten des Vogelgrippevirus entsprechend gerüstet zu sein.
Zu ihrer Information möchte ich Sie auch auf die langjähige Arbeit unserer
Fraktion für die Förderung der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft, der
Erhaltungsrassen und Erhaltungssorten hinweisen, die beispielsweise in folgender
Broschüre dokumentiert ist
http://www.greens-efa.org/pdf/documents/greensefa_documents_47_en.pdf bzw
http://www.graefezubaringdorf.de/pdf_publications/deutsch_21.pdf
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung
Mit freundlichen Grüssen
Oliver Emmes
Green-EFA Group in the EP
(19.01.2006)
Sehr geehrter Herr Emmes,
herzlich bedanken möchte ich mich bei Ihnen und Ihren beiden Kollegen, Herrn
Graefe zu Baringsdorf und Herrn Horacek, im Namen aller im VHGW organisierten
Züchter für den Einsatz zur Sicherung seltener Geflügelrassen. Ihr aller Einsatz
hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in den einzelnen Ländern eine Alternative
zum Töten (Keulen) der Tiere zur Verfügung steht. Jetzt bedarf es der Umsetzung
dieser Möglichkeiten in die nationale Praxis. Ihre Pdf-Datei "Live and let live"
deckt sich mit den Ansichten der Züchter. leider zählt in unserer Welt nur
eines: Kommerz. Kulturelle Errungenschaften zu schützen und für die Zukunft zu
sichern, sind weit hinter dem Kommerz eingeordnet, weil sie kurzfristig nichts
bringen. Langfristig sind sie überlebenswichtig. Weil die Politik in
Wahlperioden denkt, bleibt der nichtkommerzielle Bereich meist weit hinter dem
kommerztiellen zurück, zumal er auch noch Geld kostet. Es ist daher sehr
erfreulich, dass Sie sich derart intensiv für den Erhalt kultureller Güter, u.
a. in der Landwirtschaft, einsetzen. Im Bereich der Rassegeflügelzüchter decken
sich Ihre Ansichten mit unseren.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob Sie zumindest
langfristig die Chance sehen, dass bei einer Etablierung des Vogelgrippevirus in
Europa, was wir alle nicht hoffen wollen, aber in unsere Überlegungen
einbeziehen müssen, für sämtliches Geflügel im Rassegeflügelbereich ein Impfung
vorgesehen wird. Ansonsten kann es leicht passieren, dass aus heute noch
häufigen Rassen morgen seltene und übermorgen ausgestorbene Rassen werden. Um
einem Missverständnis vorzubeugen: Diese Maßnahme ist ja im Grunde schon in der
Verordnung vom 20. Dezember 2005 vorgesehen, sowohl als Notimpfung als auch als
präventive Impfung (Artikel 57). Allerdings ist diese Tatsache in der Praxis an
sehr viele Hürden gebunden. Meine Frageintention geht dahin, ob eine präventive
Impfung aller Rassen langfristig problemlos möglich sein wird. Ich weiß, dass
Sie diese Frage wahrscheinlich nicht beantworten können, aber Ihre Meinung wäre
sehr wertvoll, da Sie mit Ihrem Hintergrundwissen diese Situation realistisch
ein- und abschätzen können.
Erlauben Sie mir noch eine weitere Frage: Ist in der EU bekannt, ob an der
gezielten Entwicklung eines Impfstoffes für eine "sterile Immunität" gearbeitet
wird?
Zum Schluss eine persönliche Anmerkung: In der Broschüre "Live and let live"
wird auch die Genmanipulation bzw. Gentechnik angesprochen. Dabei fiel in meinen
Augen die Kritik zu dürftig aus, weil von der Genmanipulation auch massive
Gesundheitsschäden für Mensch und Tier ausgehen können. Wenn Sie mir Ihre
Postadresse zusenden, lasse ich Ihnen gerne einige Artikel zu dieser Thematik
zukommen.
Mit besten Grüßen
Michael v. Lüttwitz
Schriftwechsel mit Herrn
Schuth:
(18.01.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema 'Vogelgrippeimpfung in der EU'.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Beantwortung Ihres Anliegens einige
Zeit in Anspruch annimmt.
Ein Antwortschreiben an Sie ist in Vorbereitung und wird Ihnen nächste Woche
zugehen.
Mit den besten Grüßen, auch von Herrn Schuth!
i.A. Patrick Schlupp
Parlamentarischer Assistent
Büro von Willem Schuth, MdEP
Europäisches Parlament
(19.01.2006)
Sehr geehrter Herr Schlupp, sehr geehrter Herr Schuth,
vielen Dank für Ihre Zwischenmitteilung mit der Ankündigung einer Beantwortung.
Leider werden Rassegeflügelzüchter mit ihrer wichtigen Erhaltungszuchtarbeit,
die durch das internationale Übereinkommen zur Erhaltung der Biodiversität
gewürdigt wird, nicht unter dem kommerziellen Aspekt gesehen, was kurzfristig
richtig, langfristig aber falsch ist. Bei allen Schutzmaßnahmen geht man immer
von der profitablen Geflügelwirtschaft aus, die ganz andere Ziele hat wie die
Rassegeflügelzucht. Dort wird Profit gemacht, die Erhaltung der biologischen
Ressourcen der Rassegeflügelzüchter bringen dagegen in einer Bilanz nichts, wenn
man den Kommerz zugrunde legt. Es wäre schön, wenn Sie den Auftrag zur Erhaltung
der biologischen Vielfalt im Geflügelbereich in Ihr Handeln einfließen lassen
könnten. Nicht zuletzt stellt die enorm weit verbreitete organisierte
Erhaltungszuchtarbeit dennoch einen wirtschaftlichen Faktor dar, da die
tiergerechte bzw. artgerechte Kleingruppenhaltung in vielerlei Hinsicht Kosten
verschlingt (Stallbau, Futter, Geräte etc.). Dadurch wird in der entsprechenden
Wirtschaftsbranche ein hoher Betrag umgesetzt, der sich dann auch rechnen lässt.
Von daher sind Rassegeflügelzüchter durchaus ein Wirtschaftsfaktor, den man im
Gesamtkonzept der Überlegungen nicht außer Acht lassen sollte. Bei Aufgabe von
Rassenbetreuung durch Keulung würde dieser Bereich auch in wirtschaftlicher
Sicht Einbußen erleiden.
Ich freue mich auf Ihre Ausführungen und verbleibe
mit besten Grüßen
Michael v. Lüttwitz
(02.02.2006)
Sehr geehrter Herr von Lüttwitz,
zunächst möchte ich Ihnen für Ihre Anfrage zum Thema 'Vogelgrippeimpfung'
danken.
Die Vogelgrippe-Epidemie in Asien und die Ausbreitung des Virus nach Westen
lassen für die EU und auch für Deutschland eine wachsende Seuchengefahr
befürchten. Die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union haben daher am
20. Dezember 2005 eine Richtlinie mit Gemeinschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung der
Aviären Influenza (Geflügelpest) verabschiedet, die ich dieser Email als Anhang
beifüge.
Im Falle eines Ausbruchs mit gering pathogenen Virenstämmen (LPAI) wird fortan
die Möglichkeit eröffnet, auf eine Keulung zu verzichten, dafür aber die Tiere
normal zu schlachten und zu vermarkten. Die neue EU-Richtlinie sieht weiter eine
Impfoption vor. Konkret wird eine Notimpfung und eine Schutzimpfung sowohl gegen
hoch pathogene Virenstämme (HPAI) als auch gegen LPAI eingeräumt. Die
Mitgliedstaaten können künftig in Gebieten, in denen die Geflügelpest
ausgebrochen ist, mit Genehmigung der EU-Kommission nicht nur Not-, sondern auch
Schutzimpfungen durchsetzen. Bis zum 1. Juli 2007 muss die beigefügte Richtlinie
von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.
Eine vorbeugende Impfung ist jedoch nicht vorgesehen, da auch Impfungen die
Weiterverbreitung des Vius nicht sicher verhindern können. Daher führt aus
meiner Sicht an einem erneuten Verbot der Freilandhaltung von Geflügel im
Frühjahr kein Weg vorbei.
Mit freundlichen Grüßen!
Willem Schuth, MdEP
Europäisches Parlament
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Es ist erfreulich, dass sich der zuständige Ausschuss in der EU mit unserem
Impfwunsch zur Erhaltung unserer einmaligen Geflügelrassen beschäftigt. Damit
alle Mitglieder auf dem Laufenden sind, werden Sie an dieser Stelle über
eingehende Neuigkeiten von der EU-Initiative des VHGW sofort informiert.